SCHIENE regional - Bahnthemen Südwest

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Streckenbeschreibung der Badischen Schwarzwaldbahn (5)

 
Teil 1: Schwarzwaldbahn?   ·   Teil 2: Es wird gebaut!   ·   Teil 3: Reiten auf den Höhenlinien
Teil 4: Konstanz im Norden?  ·  Teil 5: Marginalien  ·  Gesamttext ohne Bilder (Druckversion)

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Von nun an geht's bergab? - Im Gegenteil!

Was die weitere Fahrt unseres Zuges angeht, so geht es von nun an tatsächlich bergab. Und wie es vom Scheitelpunkt aus weitergeht, wurde bereits im Abschnitt "Zulaufstrecken" beschrieben. Es ist allerdings bedauerlich, dass es keinen Haltepunkt mehr, geschweige denn einen Bahnhof, in Sommerau gibt. Der "Gipfelpunkt" der Schwarzwaldbahn war ein idealer Ausgangsort für Wanderungen. Aber technisch hat Sommerau weiterhin eine wichtige Bedeutung für den Bahnbetrieb. Von Eutingen im Gäu bis hier her wird die elektrische Energie für die Oberleitung auf 110 kV-Leitungen geführt. Das Unterwerk beim ehemaligen Bahnhof, dessen Empfangsgebäude inzwischen privat genutzt wird, sorgt für die Umspannung und Einspeisung in die Fahrleitung. Mehr zu diesem Thema erfahren Sie im Kapitel "Elektrifizierung der Schwarzwaldbahn." Und wenn wir bereits beim Thema Energie sind: Der Wirkungsgrad der Traktion hat sich im Laufe der Zeit stetig verbessert. Während die Dampflok noch besonders gut vermitteln konnte, was es heisst den Berg zu bezwingen, war sie doch ein großer Energieverschwender. Schließlich hatte sie nicht nur ihr eigenes Kraftwerk dabei, sie musste auch ihre Energievorräte mitschleppen. Das galt auch für die Verbrennungstraktion mit Dieselmotoren, die mit ihrer weltbekannten Vertreterin V 200 dazu antrat, die Dampflok zu verdrängen. Sie schaffte es, wenn auch mit erheblichen Anfangsproblemen, und sorgte dafür, dass die Schwarzwaldbahn die erste "vollverdieselte" Strecke des Direktionsbezirks Karlsruhe wurde. Mit der Elektrifizierung der Strecke, die 1977 abgeschlossen wurde, verschwanden die schönen Lok der (seit 1968) Baureihen 220 und 221 in Richtung Norddeutschland. Bei den Elektrolok haben sich besonders die Baureihen 139 und 110 mit elektrischer Wider- standsbremse bewährt, ab 1991 auch die DR-Lok 143. Den großen Fortschritt aber brachte die elektronisch gesteuerte Vierquadranten-Drehstromtechnik mit der Möglichkeit der Rück- speisung elektrischer Energie bei Bremsfahrt.

Die Rückspeisung von Energie ist ebenso wenig Zukunftsmusik, wie das Betreiberkonzept, dessen Rahmen durch die Ausschreibung der Verkehrsleistungen im Regionalverkehr im Jahr 2003 durch das Land Baden-Württemberg abgesteckt worden ist. Details dazu finden Sie unter "Neue Schwarzwaldbahn."

Die positive Entwicklung des Betriebs auf der Schwarzwaldbahn wurde nur durch die weitsichtige Planung des Erbauers Robert Gerwig und die Einsicht der politischen Entscheidungsträger im 19. Jahrhundert ermöglicht. Es ist undenkbar, dass die Strecke nachträglich zweigleisig ausgebaut worden wäre, wenn nicht Gerwig die Tunnelbauten und die ganze Trassierung bereits für zwei Gleise ausgelegt hätte. Die Inbetriebnahme erfolgte 1873 noch eingleisig, aber bereits 1888 begann der zweigleisige Ausbau. Im Rahmen der Elektrifizierung wurde, um die teure Absenkung der Tunnelsohlen zur Profilausweitung einzusparen, ein Rückbau auf ein Gleis in mittiger Lage erwogen - und zum Glück verworfen. Auch durch den Bilanzoptimierungswahn vor dem Börsengang der Deutschen Bahn AG wurden die Rückbaupläne wieder aus der Schublade gezogen. Es ist schlimm genug, dass Kostenrechner ohne betriebliche Erfahrung einige der häufig gebrauchten Überleitstellen auf dem Gewissen haben werden. Die Rechnung "mehr Verspätungen durch weniger Weichen" bezahlt ja jemand anderes ...

Der Vergleich zwischen der Schwarzwaldbahn und der über eine lange Strecke parallel führende B33 zeigt Gegensätze, die bedenklich stimmen. Gerade im engen Gutachtal wurde die Trassierung der Schwarzwaldbahn überaus harmonisch in die Landschaft eingefügt, während sich die Bundesstraße, mit den Jahren immer breiter werdend, mit Brachialgewalt durch die Talsohle gefressen hat. Für die Gutach selbst ist da stellenweise kein Platz mehr, ihr Wasser fließt verdolt unter der Straße. Fünf Straßentunnel zwischen Haslach und Triberg haben die Hindernisse beseitigt, was nun den Schwerlastverkehr geradezu magisch anzieht.

Wer die Schwarzwaldbahn noch nicht erlebt hat, als Reisender und als Wanderer, kennt den Schwarzwald noch nicht richtig. Und die Fahrt über die Schwarzwaldbahn ist nicht nur für ausgesprochene Eisenbahnfreunde ein Erlebnis. Eine Vorbereitung kann dabei nicht schaden, denn viele schöne und interessante Details sind, trotz der relativ geringen Geschwindigkeit der Züge von 70 km/h auf der Rampenstrecke, nur kurz zu beobachten. Nachteilig wirkt sich der zunehmende Bewuchs aus - auf vielen Abschnitten umgibt die Strecke so viel Gehölz, dass man den Schwarzwald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht! An wichtigen Aussichtspunkten, wie dem Dreibahnenblick, wird inzwischen regelmäßig gerodet. Und die im Regionalverkehr eingesetzten Doppelstockwagen bieten vom Obergeschoss einen Panoramablick.

Vielleicht hilft auch der vorstehende Text und die weiteren Beiträge dieses Internetangebots ein wenig, sich mit der Schwarzwaldbahn vertiefend zu beschäftigen. Nach der Strecken- beschreibung können Sie sich nun über die Elektrifizierung der Schwarzwaldbahn und den Betrieb mit Elektrolok informieren, aber auch über Wandervorschläge, wie zum Beispiel zum Dreibahnenblick. Und die wichtigste Orientierungshilfe für die Bahnfahrt ist natürlich der Tunnelplan der Schwarzwaldbahn.

Lesen Sie bitte weiter über die "Elektrifizierung der Schwarzwaldbahn"
 
 

SCHIENE regional - Streckenmeldungen KBS 720 Offenburg - Singen (Schwarzwaldbahn)