SCHIENE regional - Bahnthemen Südwest

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Streckenbeschreibung der Badischen Schwarzwaldbahn (4)

 
Teil 1: Schwarzwaldbahn?   ·   Teil 2: Es wird gebaut!   ·   Teil 3: Reiten auf den Höhenlinien
Teil 4: Konstanz im Norden?  ·  Teil 5: Marginalien  ·  Gesamttext ohne Bilder (Druckversion)

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Konstanz im Norden und Karlsruhe im Süden?

Bereits die Ausfahrt in Richtung Konstanz aus dem Bahnhof Triberg erfolgt im Linksbogen. Dieser leitet die nächste große Kehrschleife der Schwarzwaldbahn ein. Der unten stehende Kartenausschnitt zeigt, dass eine unmittelbare Verbindung vom Westportal des Kleinen Triberger-Tunnels (A) zum Ostportal des Grundwald-Tunnels (B) eine naheliegende Strecken- führung darstellen würde.

Kehrschleife Schwarzwaldbahn

Die rote Verbindungslinie stellt eine gedachte Streckenführung von ziemlich genau 1 km Länge dar. Die Höhendifferenz beider Punkte beträgt 750 m - 620 m = 130 m! Die direkte Verbindung benötigt dazu eine Längsneigung von 1:7 (unter Berücksichtigung der Übergangsbereiche des Neigungswechsels). Eine Eisenbahnstrecke im Reibungsbetrieb mit 142‰ Steigung betreiben zu wollen ist widersinnig. Glücklicherweise konnte sich Robert Gerwig gegenüber allen Vorschlägen mit Zahnradbetrieb oder Spitzkehren durchsetzen, unter solchen Bedingungen wäre nämlich von der Schwarzwaldbahn heute bestenfalls noch eine Museumsstrecke übrig. Tatsächlich aber wird die Linienführung im beschriebenen Abschnitt nach Gerwigs Plänen, wie schon bei der Niederwasser-Schleife, um 6 km gestreckt (63,5 km - 56,5 km + 1 km). Mit einer maximalen Längsneigung von 1:50 wird die Strecke, unter Ausfahrung des unteren Grem- melsbachtals, um den Seelenwald herumgeführt. Nach diesen Rechenexempeln kann nun die Fahrt im Bahnhof Triberg in Richtung Konstanz wieder fortgesetzt werden. Die Strecken- beschreibung nimmt den Faden im südlichen Bahnhofkopf mit der Einfahrt in den Kleinen Triberger-Tunnel wieder auf.

Zwischen dem Kleinen und dem Großen Triberger-Tunnel [21] wird der Nußbach und die B 33 auf einer Stahlträgerbrücke überquert. Die Einfahrt in den Großen Triberger-Tunnel erfolgt im Linksbogen, der nach etwa 500 m, innerhalb des Tunnels, in einen Rechtsbogen übergeht. Nun in nördlicher Richtung fahrend verlässt der Zug nach Konstanz den 835 m langen und S-förmigen Kehrtunnel. Gleich hinter dem Portal steht links das Wohnhaus des ehemaligen Wärterpostens 60. Für knapp 2 km steigen die Gleise am rechtsseitigen Steilhang des tief eingeschnittenen Tals der Gutach hinauf. Kurz nach dem Wp60 kann, ebenfalls links, wieder nach Schonachbach, zum Uhrenpark Eble und Gasthof Bachjörg, hinuntergeschaut werden. Am gegenüberliegenden Hang ist deutlich der zuvor befahrene Streckenabschnitt zwischen dem Forellen- und dem Großhalde-Tunnel, sowie eine Betonstützmauer bei km 55 zu erkennen. Und schon wird es wieder dunkel, der Zug durchfährt den Gummambs-Tunnel [22]. Sein Gewölbe war im mittleren Teil bis Oktober 2006 noch als Naturfelsen vorhanden, verschwand dann aber nach einer aufwändigen Sanierung unter armiertem Beton. Am nördlichen Portal des Gummambs-Tunnels ist für wenige Augenblicke rechts ein Gehöft und ein Bahnwartshaus zu sehen. Der Sitzplatz in Fahrtrichtung links ermöglicht mehrfach kurzzeitig einen Blick auf die linksseitig der Gutach verlaufende Strecke mit Mühlhalde- und Losbach-Tunnel zu erhaschen. Bis Anfang Mai stehen die Chancen dazu gut, danach verschwindet so mancher Ausblick im Laubwerk.

Auf den kurzen 1. Seelenwald-Tunnel [23] folgt gleich der 2. [24], an dem die Rechtskurve zum Einschwenken in das Gremmelsbachtal beginnt. Die Gleistrasse ist in diesem Bereich nur auf der Schiene zu erreichen. Eine beeindruckend hohe Böschung ist zum großen Teil mit Mauerwerk aus riesigen Natursteinen gesichert. Tief unten im Tal stehen einige Häuser von Gremmelsbach. Der Streckenbau in diesem Abschnitt war besonders hart für die Arbeiter. Hinter dem 3. Seelenwald-Tunnel [25] liegt in einer Geraden die Überleit- und Blockstelle Seelenwald mit dem Wärterposten 61. Der Block Seelenwald wurde bereits 1983 aufgelassen, die Überleitstelle (ÜSt) existiert aber zum Segen der Betriebsleute noch und wird vom Fahrdienstleiter Triberg ferngestellt. Das Wohnhaus des Wärterpostens 61 wird genutzt für "Ferien im Baudenkmal."

Links im Tal des Gremmelsbachs liegt der Ortskern der gleichnamigen Gemeinde, ein Teilort Tribergs. Das Bilderbuchdorf mit Kirche, Friedhof, Rathaus, Schule und Gasthaus in der Mitte des langgestreckten Orts, ist Preisträger des Wettbewerbs "unser Dorf soll schöner werden." In einer Rechtskurve löst sich die Schwarzwaldbahn 700 m nach der ÜSt Seelenwald vom Tal und verschwindet in dem mit 912 m zweitlängsten Tunnel der Strecke unter dem Seelenwald. Während der Fahrt durch den Gremmelsbach-Tunnel [26] ist es Zeit den Sitzplatz auf die rechte Seite des Zuges zu verlegen. Kaum haben sich die Augen nach der Tunnelfahrt an das Tageslicht gewöhnt, öffnet sich kurz der Blick ins Gutachtal, so wie ihn auch die Wanderer auf dem bekannten "Dreibahnenblick" genießen können. Dieser ist als Aussichtsplattform über dem Gaisloch-Tunnel [27] eingerichtet, der als nächster durchfahren wird. Links hinter dem kurzen Tunnel liegt ein gepflegter Garten mit Hütte im Niemandsland. Rechts kann kurz vor dem Hohnen-Tunnel ein Blick in einen steilen Einschnitt riskiert werden, wobei im laublosen Halbjahr die untere Strecke beim Ausgang des Großen Triberger-Tunnels gefunden werden kann.

Mit dem folgenden Tunnel [28], unter dem Hohnen hindurch, wird das Gutachtal verlassen. In Fahrtrichtung links öffnen sich große Freiflächen mit einigen stattlichen Bauernhöfen und einer kleinen Kapelle. Rechts kann steil hinunter in das Nußbachtal geschaut werden. Aber auch darüber hinaus eröffnet sich eine herrliche Aussicht hinüber zum Triberger Kapellenberg. Hinter der anschließenden leichten Linkskurve steht auf dem Anwesen links vom Portal des nun folgenden Grundwald-Tunnels [29] eine Bauhütte aus der Zeit der umfangreichen Arbeiten zur Elektrifizierung der Schwarzwaldbahn (Offenburg - Villingen von 1972 bis 1975), die in Privatbesitz gelangt ist. Zwischen Grundwald- und Krähenloch-Tunnel [30] befand sich bis 1983 der Bahnhof Nußbach (Zughalt im Personenverkehr nur bis 1981). Die Bahnsteige sind noch erhalten, das Empfangsgebäude dagegen leider verschwunden. Der Blick hinunter ins Tal zur alten Ortschaft Nußbach erklärt, warum der Bahnhof keine Zukunft hatte. Annähernd 100 m Höhenunterschied sind ein Argument, aber auch die Nähe zu Triberg, dessen Bahnhof noch nicht einmal 2 km vom Ortskern Nußbach entfernt liegt. Die ganze Szene rund um den Nußbacher Bahnhof erinnert an eine recht unrealistisch gebaute Modellbahnanlage: Zwei Tunnelportale, dazwischen 200 m Gleis mit Bahnsteigen, Bahnübergang, Wärterhaus und einem überdimensionierten Empfangsgebäude mit Dienstwohnungen im Obergeschoss. Im Bahnsteigbereich ermöglichten vier Weichen auch noch den Gleiswechsel, und es waren sogar Ausfahrtsignale vorhanden. Zufahrt und Zugang zum Bahnhof erfolgten über eine abenteuerlich steilen Straße. Eigentlich unglaublich - hätte ich es nicht selbst gesehen ...

Auf einem bequemen Spazierweg kann man vom Unterhohnen-Hof (nahe dem Hohnen- Tunnel, vom Bahnhof Triberg in 15 Minuten zu Fuß erreichbar) nahezu parallel zur Bahnlinie bis zum Kreisbachtal gehen. In einer Kurve des Wegs fällt der Blick hinunter auf die Schwarzwaldbahn zwischen Krähenloch- und Sommerberg-Tunnel [31]. Es lohnt sich aber auch der kurze Abstecher hinein in den Waldweg über dem Sommerberg-Tunnel. Das Westportal kann so gefahrlos aus der Nähe betrachtet werden. Es ist, wie einige weitere Portale an der Schwarzwaldbahn, konkav ausgeformt. Überhaupt verschafft die Nähe zum Bauwerk einen Eindruck von der Arbeit, die bei der Bereitstellung und Verarbeitung der kolossal schweren Steine 1869 geleistet worden ist.

Hinter dem Sommerberg-Tunnel verlässt die Strecke in einer Linkskurve den durchfahrenen Einschnitt und durchquert in der anschließenden Rechtskurve das Kreisbachtal. Kurz vor dem Farrenhalde-Tunnel [32] wird die Straße gekreuzt. Zum Bahnübergang gehörte das links vom Tunnel halbhoch am Hang gelegene Wärterwohnhaus. Dieses Motiv wird gern von Eisenbahn-fotografen genutzt. Dagegen wird der Feldwegübergang zwischen dem Farrenhalde- und dem Steinbis-Tunnel [33] nicht mehr geöffnet. Aus dem Führerstand des talwärts fahrenden Zuges ergibt sich beim Blick durch den Farrenhalde-Tunnel allerdings eine interessante Perspektive. Am Ende des geraden Tunnels stehen unmittelbar nebeneinander eine uralte Schrankenwärter-Schutzbude und die Einrichtungen für Zugbahnfunk mit inzwischen noch modernerer GSM-R-Sendeanlage.

Ganz im Gegensatz zum östlichen Portal des Steinbis-Tunnels, das in einem Gelände- einschnitt verborgen liegt, ist die Rechtskurve auf dem Damm bis zum Tannenwald-Tunnel [34] die Paradestrecke der Fotografen. Die Lichtverhältnisse sind im südwärts ausgerichteten Innenbogen den ganzen Tag über gut. Und im Bereich der Rampenstrecke zwischen Glasträger und Sommerau gibt es kaum eine Stelle, an der ein ganzer Regionalzug mit Tunnelportal, Wegdurchlass und Schwarzwaldhintergrund abgelichtet werden kann. Das steile Sträßchen, welches kurz vor dem Tannenwald-Tunnel die Bahnlinie unterquert, führt nach Obersteinbis und weiter zum Hohnen und nach Gremmelsbach. Der Bahnfahrer im bergwärts fahrenden Zug sieht rechter Hand bis hinunter zur Talsohle, wo sich die alte und sehr schmale Landstraße von Hausach nach St. Georgen zwischen den wenigen Häusern von Vordertal durchschlängelt. Auf halber Höhe durchschneidet hingegen die dreispurige B 33, auf der sich ein LKW nach dem anderen die Steigung hinauf quält, die Landschaft. Dazwischen quietschen Möchte-gerne-Rennfahrer um die scharfen Kurven. Der Fotograf an der Strecke verpasst nicht selten den richtigen Auslösezeitpunkt, da die Annäherung des Zuges im Lärm der Bundes- straße nicht wahrgenommen wird.

Am südlichen Ausgang des Tannenwald-Tunnels beginnt eine langgestreckte Linkskurve und der Zug passiert einsame Schwarzwaldidyll pur. Auch hier kreuzt die schmale Zufahrt zu einem hoch am Hang "klebenden" kleinen Gehöft den nur 200 m langen Streckenabschnitt zwischen den Tunnelportalen. Wie schon beim Farrenhalde-Tunnel steht auch hier noch die kleine Schutzhütte des Bahnwärters neben den (inzwischen automatischen) Schranken. Leider existiert allerdings das schöne Bahnwärterhaus am linken Hang vor dem Tannenbühl- Tunnel [35] nicht mehr. Vom Bahnübergang aus kann durch das konkav ausgebildete Portal und den nur 25 m kurzen Tannenbühl-Tunnel ein Vorsignalwiederholer für das Selbst- blocksignal 63 beobachtet werden. Hinter dem Tannenbühl-Tunnel nähert sich die Strecke bis auf wenige Meter der Bundesstraße. Vom bergwärts fahrenden Zug aus kann man rechts den Fahrzeugen auf das Dach schauen. Aber wahrscheinlich schaut der Fahrgast eher in die Ferne, denn plötzlich weitet sich das Gesichtsfeld und es sind die teilweise unbewaldeten Hochflächen bei Sommerau zu sehen. Vor dem unmittelbar folgenden Schieferhalde-Tunnel steht besagtes Blocksignal, hinter dem Tunnel kreuzte einst die Bundesstraße 33 die Gleise. Die neue Bundesstraße bleibt südlich der Bahnstrecke. Im Dreieck der Verkehrswege verharrt ein Bahnwärterhäuschen unweit des Tunnelportals.

In einer Rechtskurve wendet sich der Zug dem Sommerau-Tunnel zu. Mit 1.698 m ist er bei weitem der längste Tunnel der Schwarzwaldbahn. Nur in den beiden Enstücken weist er eine leichte Krümmung des Tunnelröhre auf, ansonsten steigen die Gleise schnurgerade hinauf zum Scheitelpunkt der Schwarzwaldbahn im Bahnhof Sommerau, nur wenige hundert Meter hinter dem Tunnel. Hatten die Tunnelbauer rund um Triberg mit besondes hartem Granit zu kämpfen, so machten ihnen im Sommerau-Tunnel eher die eindringenden Gewässer und die unterschiedlich harten (bzw. weichen) Gesteinsschichten das Leben schwer.

Die Beschreibung der Strecke von Sommerau bis zum Bodensee finden Sie unter Zulaufstrecken

Lesen Sie bitte weiter über die "Badische Schwarzwaldbahn" (Teil 5): Marginalien
 
 

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