SCHIENE regional - Bahnthemen Südwest

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Streckenbeschreibung der Badischen Schwarzwaldbahn (3)

 
Teil 1: Schwarzwaldbahn?   ·   Teil 2: Es wird gebaut!   ·   Teil 3: Reiten auf den Höhenlinien
Teil 4: Konstanz im Norden?  ·  Teil 5: Marginalien  ·  Gesamttext ohne Bilder (Druckversion)

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Reiten auf den Höhenlinien

Fahren wir fort auf der 1:50-Rampe hinter dem Haltepunkt Gutach - wie weiter oben angekündigt. Die Ortschaft Gutach beginnt im relativ weiten Tal kurz hinter Hausach. Sie endet sieben Kilometer flussaufwärts unmittelbar vor den Toren Hornbergs, wo sich die Namensgeberin Gutach noch nicht so viel Raum geschaffen, dafür aber tief zwischen steilen Hängen eingegraben hat. Und am rechtsseitigen Hang des Gutachtals gewinnt die Bahnstrecke wichtige Höhenmeter. Ihre Trassierung schmiegt sich geschickt an den Berg, ohne Kunstbauten immer gerade so viele Höhenlinien schneidend, dass die Steigung konstant bei 1:50 bleibt. Ein kurzer Tunnel wird unmittelbar vor Hornberg benötigt. Kaum ist er durchfahren, überquert der Zug unmittelbar anschließend die einzige große Brücke der Bergstrecke, den dreigleisigen Reichenbachviadukt im Bahnhof Hornberg. Von hier hat man eine gute Sicht auf das Hornberger Schloss (wo nur selten, einmal jedoch zu früh geschossen wurde). Man sieht aber auch hinab über die Dächer der Stadt, deren Zentrum 50 m unter dem Niveau des Bahnhofs (384 müNN) liegt. Wie schon in Hausach liegen die Weichen der Bahnhofsköpfe in Hornberg ebenfalls bereits im Übergang zu den Steigungsstrecken.

Auch auf den folgenden viereinhalb Kilometern klettert die Trasse mit konstanter Steigung von 1:51 am Hang entlang. Wer sich auskennt, sieht nicht nur unten im Tal die kleine Ortschaft Niederwasser, sondern wenig später auch am Hang auf der gegenüberliegenden Talseite Fahrleitungs- maste und einen Zugbahnfunk-Sendemast (jetzt auch mit GSM-R-Antenne ausgestattet). Schon zwei Minuten später wird der Bahnfahrer von dort hinüber auf das vorher befahrene Gleis schauen können. Kurz hinter der Überleitstelle Schlossberg (bis 1983 Blockstelle) beginnt mit dem 1. Glasträger-Tunnel [2] der Reigen der Kehrschleifen und von 36 Tunneldurchfahrten in dichter Folge.

Hinter dem 2. Glasträger-Tunnel [3] wird die Bundes- straße 33 und die Gutach überquert und gleich darauf der kurze 3. Glasträger-Tunnel [4] passiert. Der Name des Niederwasser-Kehrtunnels [5] verspricht nicht zu- viel. Der Zug fährt nun wieder, Höhenmeter gewinnend, nach Norden.

Sie finden eine Liste aller Tunnel mit Tunnellänge und Fotos aller Portale unter Tunnel der Schwarzwaldbahn.
Die beschriebene Fahrt geht von "oben" nach "unten" (Nordwest nach Südost).

Unten in der Talsenke liegt der stattliche Hof des 4. Bauern, der dem folgenden Tunnel [6] seinen Namen gab. Der Niederwasser-Kehrtunnel verläuft auf der ganzen Länge von 558 m im Rechtsbogen, der Tunnel beim 4. Bauer ist 314 m lang und verläuft wie ein gespiegeltes ∫. Früher konnte der Reisende, sobald der Tunnel verlassen wurde, nach rechts wunderbar auf die Strecke am Schlossberg hinunter schauen, durch den starken Bewuchs ist das jetzt nur noch für kurze Augenblicke möglich. Hinter dem nun folgenden Hohenacker-Tunnel [7] steht ein, inzwischen weitgehend zugewachsenes, schönes Bahnwärterhaus rechts oberhalb des Nordportals. Durch dichten Tannenwald und den Tunnel beim 3. Bauer [8] beginnt mit dem Letschenberg- [9] und dem Röllerwald-Tunnel [10] wiederum eine Richtungsänderung um 180°.

Nur bei Mitfahrt auf dem Führerstand kann spätestens jetzt festgestellt werden, dass sich alle Tunnelportale voneinander unterscheiden. Der 792 m lange Eisenberg-Tunnel [11], einer der wenigen langen Tunnel der Schwarzwaldbahn, bei denen das Ende bereits bei der Einfahrt in den Tunnel gesehen werden kann, weist bereits wieder in Südrichtung. Seine Spitzbogen- Portale sind, etwas versteckte hinter einer Steinbogenbrücke über die Bahnstrecke, besonders auffällig. Nach 40 Sekunden Tunnelfahrt ist links ein schön renovierte Bahnwärterhaus zu sehen. Hinter dem folgenden Spärle-Tunnel [12] liegt der aufgelassene Bahnhof Niederwasser. Richtig beobachtet: die Ortschaft Niederwasser konnte kurz hinter Hornberg im Tal betrachtet werden. Der Zug ist seither sieben Kilometer gefahren und hat 120 Höhenmeter überwunden. Das inzwischen privat genutzte Empfangsgebäude steht nur wenige Meter vom Portal des Obergieß-Tunnels [13] entfernt. Zwischen Spärle- und Obergieß-Tunnel fährt der Zug über einen der wenigen aufgeschütteten Dämme. Er ist mit großen Natursteinen gesichert und vollkommen überwuchert. In der Sohle wird dieser Damm durch einen gemeinsamen Tunnel für den Obergießbach und einen Fahrweg in einer langgestreckten Kurve unterquert.

 
Die Darstellung des Streckenverlaufs der Schwarzwaldbahn im Abschnitt zwischen Hornberg und Sommerau wird hier nochmals abgebildet, allerdings unter Angabe der Tunnelnummern, um die Orientierung während der Streckenbeschreibung zu erleichtern.

Wie bereits beim Obergieß gibt das Hippensbachtal dem folgenden Tunnel [14] seinen Namen. Zwischen beiden Tunneln liegt nicht nur die Überleitstelle Nieder- wasser, sondern für den Bahnreisenden öffnet sich auch für kurze Zeit der Blick nach Süden. Im offenen Tal liegt, in Fahrtrichtung rechts, malerisch der Unterhippensbachhof mit seiner Kapelle. Unmittelbar vor dem Hippensbach-Tunnel wird eine schmale Straße an einem Bahnübergang gekreuzt, die bereits zwischen dem Niederwasser- und dem 4. Bauer- Tunnel auf einer Brücke überquert wurde. Rechts am Hang "klebt" wieder ein schmuckes Bahnwärterhaus. Nach der Durchfahrung dieses und des unmittelbar anschließenden Kurzenbergs-Tunnels [15] ist die Niederwasser- Doppelschleife endgültig beendet.

Nicht abgebildet sind:
 [1] Rebberg-Tunnel,
[38] Möhringer Tunnel und
[39] Hattinger Tunnel.
 

Die Bahnstrecke folgt nun wieder dem Verlauf der tief unten im Tal entgegen fließenden und laut plätschernden Gutach. Wie schon am Schlossberg ist die Trasse an den felsigen Abhang angelehnt worden. Dazu mussten an vielen Stellen Sprengungen vorgenommen werden, teilweise waren aber auch großflächige Stützmauern unterhalb der Trasse anzulegen, die heute weitgehend überwachsen und kaum noch zu erkennen sind. Ein Wanderweg (benannt nach dem Intitiator und Wegebauer Franz Göttler) verläuft parallel zwischen Bahnstrecke und Gutach. An wenigen Stellen gibt es einigermaßen bequeme Zugänge zur Bahn, überwiegend dort, wo früher "Bahnwartshäuser" standen. Über diese ließen sich Seiten füllen, denn sie sind (oder waren, da viele wegen der Unerreichbarkeit mit Straßenfahrzeugen abgerissen worden sind) Zeugnisse einer besonderen Verantwortung der Großherzoglich Badischen Staatseisen- bahn gegenüber ihren Mitarbeitern - auch in niedrigen Rängen. Der Stararchitekt Eisenlohr, wie man heute sagen würde, hat in hervorragender Weise für Bedienstete der Eisenbahn und ihre Familien geplant, die in kaum noch vorstellbaren Arbeits- und Wohnsituationen durch ihre Anwesenheit und ihren Einsatz den Bahnbetrieb erst ermöglicht haben. Umgesetzt wurden die Ideen und Pläne aber durch seinen Schüler Karl Joseph Berckmüller, da Eisenlohr bereits neun Jahre vor Baubeginn der Schwarzwaldbahn gestorben war. An anderer Stelle soll auf die Bahnwärterhäuser und die Arbeit der Bahnwärter eingegangen werden.

Mit nur leicht schlängelnder Linienführung strebt die Strecke in Richtung Süden dem Bahnhof Triberg zu. Dem kurzen Mühlhalde-Tunnel [16] folgt der Losbach-Tunnel [17], vor dessen Nordportal links in halber Höhe ein schönes Bahnwärterhaus stand. Wenig später passiert der Zug den Forellen-Tunnel [18]. Auf dem etwa 800 Meter langen Streckenabschnitt bis zum Großhalde-Tunnel [19] wurde bis 1925 noch der Kaiser-Tunnel durchfahren. Er wurde, was große Folgekosten für die Stabilisierung des Steilhangs verursachte, aufgeschlitzt. Auf diesem Abschnitt kann in Fahrtrichtung links immer wieder einmal ein Fahrleitungsmast an der gegenüberliegenden Seite des tief eingeschnittenen Tals der Gutach, deutlich höher als die gerade befahrene Strecke gelegen, entdeckt werden.

Unmittelbar vor der Einfahrt in den Großhalde-Tunnel [19] und den Bahnhof Triberg, öffnet sich das Tal bei Schonachbach für einen kurzen Augenblick. In der Talsohle ist der alte Gasthof Bachjörg und die "weltgrößte Kuckucksuhr" zu erkennen. Weit oben am gegenüber liegenden Hang ist wiederum die Schwarzwaldbahn zwischen dem Gremmelsbach- und dem Gaisloch- Tunnel zu erkennen. Auf dem Felsen über dem Gaisloch-Tunnel liegt die Aussichtsplattform "Dreibahnenblick." Der Zug fährt in diesem Augenblick (bei Streckenkilometer 55,0) auf 604 m Höhe über Normalnull. Oben am Gaisloch-Tunnel liegt km 62,1 der Schwarzwaldbahn, die Höhe der Gleise über NN beträgt dort 723 m. Bei km 57,8 ist die Strecke oberhalb der Häuser von Schonachbach übrigens auch zu sehen. Eine kleine Betonstützwand und die Fahrleitungsmaste erleichtern das Auffinden der Gleise am gegenüberliegenden Steilhang. Rechts neben dem Tunnelportal des Großhalde-Tunnel steht bereits das Bahnhofsschild Triberg. Am südlichen Tunnelende wurde Anfang der Neunzigerjahre eine Schutzgalerie über den Einfahrweichen errichtet, die den Gleisbereich vor Felsschlag und umstürzenden Bäumen schützt. .

Die vorausschauende Planung der Lage des Bahnhofs Triberg erforderte starke Eingriffe in die westlichen Felsstrukturen. Die Sicherung der imposanten Felswand über den Gleisen hat allerdings auch immense Folgekosten verursacht. Wer schwindelfrei ist, kann sich vom Waldrand oberhalb der Felsen einen guten Überblick verschaffen, wobei die Bahnhofsanlage dann eher wie ein sehr gut gestaltetes Modell wirkt. Schwarzwaldbahn Bahnhof Triberg 1873 Das längliche Empfangsgebäude vom Eröffnungsjahr 1873 wurde 1974 durch einen modernen Flachdach- Zweckbau aus sechseckigen Ele- menten ersetzt. Die Darstellung des ursprünglichen Bahnhofsgebäudes, mit Fahnenschmuck zur Einweihung der Schwarzwaldbahn (Bild), ist als Wandbild in der Eingangshalle des Triberger Heimatmuseum zu sehen. Von der ursprünglichen Gleisanlage, mit Lade-, Güterschuppen und Rampengleisen, sind nur noch drei Gleise betriebsfähig erhalten geblieben. Der Bahnübergang mitten im Bahnhof wurde durch eine Unterführung, mit einer anschließenden abenteuerlich steilen Straße zwischen Gleisen und Steilhang, ersetzt.

Die touristisch bekannte Schwarzwaldhochstraße B 500, sie führt als Hauptstraße durch Triberg, überquerte früher schienengleich den südlichen Bahnhofskopf. Unmittelbar hinter dem ehemaligen Übergang verschwindet der Zug im Kleinen Triberger-Tunnel. Allerdings soll Triberg nicht verlassen werden, ohne auf das Robert-Gerwig-Denkmal, am Kreuzungspunkt der Bahnhofsstraße mit der ehemaligen Bundesstraße gelegen und zum 100-jährigen Jubiläum der Schwarzwaldbahn aufgestellt, hinzuweisen.

Lesen Sie bitte weiter über die
"Badische Schwarzwaldbahn" (Teil 4): "Konstanz im Norden?"

 
 

SCHIENE regional - Streckenmeldungen KBS 720 Offenburg - Singen (Schwarzwaldbahn)