SCHIENE regional - Bahnthemen Südwest

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Südwestdeutsche Landesverkehrs-AG

(13.07.2018) Hzl wird zum Verkehrsbetrieb der SWEG
 


Eine Chronik der Baden-Württembergischen Landesbahnen aus Anlass der Fusion von SWEG und HzL im Jahr 2018

Im Streiflicht

I. Die Geschichte der SWEG

Das Sterben von Nebenbahnstrecken, die eigentlich Zweigstrecken genannt werden sollten, da sie keineswegs nebensächlich sind, hatte um 1960 auch im Südwesten ein erschreckendes Maß angenommen. Die damalige Deutsche Bundesbahn, aber auch andere öffentliche und private Infrastrukturbetreiber und Eisenbahnverkehrsunternehmen, verlagerten Personen- und Güterverkehr aus rein wirtschaftlichen Erwägungen von der Schiene auf die damals noch nicht so verstopften Straßen.

Die Geburtsstunde der Südwestdeutschen Eisenbahn-GmbH (SWEG) war deren Gründung durch das Land Baden-Württemberg im Dezember 1962. Insgesamt elf Strecken im badischen Landesteil wurden von der Deutschen Eisenbahn-Betriebsgesellschaft DEBG gekauft und ab Mai 1963 von der SWEG betrieben. Darunter befanden sich im (damals noch nicht existierenden) Ortenaukreis die Achertal- und die Harmersbachtalbahn.

Von der Mittelbadischen Eisenbahn MEG waren bis zum Ende der 1960er-Jahre schon viele Regel- und Schmalspurstrecken stillgelegt und anschließend, nach der Endwidmung, abgebaut worden. Zwei Strecken und ein Verkehrsbetrieb gingen allerdings durch Vereinigung mit der MEG 1971 an die SWEG über. Diese firmierte fortan als Südwestdeutsche Eisenbahnen-Aktiengesellschaft.

Der Strukturwandel im Verkehrswesen bildete sich zunehmend auch innerhalb des Unternehmens SWEG ab. Der Busverkehr war zwischenzeitlich zu einem wesentlichen Standbein geworden. Die Namensgebung des stetig wachsenden Unternehmens trug dem durch Umbenennung in Südwestdeutsch Verkehrs Aktiengesellschaft ab 1984 Rechnung. Der Buchstabe E im beibehaltenen Markennamen SWEG erinnert aber weiterhin an die Wurzeln.

Nur am Rande sei hier erwähnt, dass bereits 1956 eine Landeseisenbahn im badischen Landesteil entstanden war: Das Land Baden-Württemberg kaufte von der DEBG die Albtalbahn, aus der 1957, als gemeinsame Gründung durch das Land BW, die Städte Karlsruhe und Ettlingen sowie den Landkreisen Karlsruhe und Calw, die Albtal Verkehrs Gesellschaft AVG hervorging.

II. Die Geschichte der HzL

Jenseits der badischen Ostgrenze wurde 1899 die "Actiengesellschaft Hohenzollern'sche Kleinbahngesellschaft" gegründet. Die Hohenzollerischen Lande bildeten in jener Zeit einen langgestreckten, auch infrastrukturellen "Störfaktor" im Königreich Württemberg: Preußen mitten im Schwabenland!

Kapitalgeber der neuen Bahngesellschaft waren Preußen, der Kommunalverband der Hohenzollerischen Lande (Regierungsbezirk Sigmaringen) und die Westdeutsche Eisenbahngesellschaft. Im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts entstanden zunächst Stichstrecken, ausgehend vom Königlich Württembergischen Eisenbahnnetz. Diese wurden dann recht schnell zu einem eigenen Schienennetz verbunden.

Die politischen Veränderungen nach dem 1. und 2. Weltkrieg änderten am Bahnnetz im Landesteil Württemberg-Hohenzollern kaum etwas. Ein Jahrzehnt nach der Aufgabe des Schienenverkehrs auf Zweigbahnen in Baden begann das Siechtum in Form der Umstellung auf die "Gummibahn" auch im Hohenzollerischen. 1972 übernahm daraufhin das Land Baden-Württemberg die Rolle des Mehrheitsaktionärs der Bahngesellschaft (72%). Der Zollernalbkreis und der Landkreis Sigmaringen waren mit jeweils 14% Kapitalanteilen weiterhin beteiligt.

Mit der Umsetzung der Bahnreform ab 1994 vergrößerte sich der Einsatzbereich der HzL-Schienenfahrzeuge weit über das ursprüngliche NE (nicht bundeseigene Eisenbahn) Netz hinaus. Die moderneren Regio-Shuttle der HzL fahren seit 2003 im Ringzug-Projekt 1,26 Mio Zugkilometer pro Jahr im Raum Schwarzwald-Baar-Heuberg, aber auch kleine Stichstrecken, wie als "Seehäsle" zwischen Radolfzell und Stockach.

Wie bei der SWEG hat auch die HzL ein wichtiges Standbein im Linien-Busverkehr. Kreativ kann man das Engagement im Schienen-Güterverkehr nennen, allerdings zeichnet sich dieser Bereich nicht durch langfristige Kontinuität aus.

III. Zusammenarbeit in Management und Verwaltung

Die beiden Landeseisenbahnen (unter Beteilung der beiden oben genannten Landkreise) näherten sich in den Jahren nach 2000 immer mehr an. Die HzL hatte ihren Verwaltungssitz zwar weiterhin in Hechingen und die SWEG in Lahr, aber sie Vorstände deckten zunehmend ihre Bereichsaufgaben in Personalunion für die beiden (ungleichen) Schwestern ab. Das war vernünftig und wohl auch eine langfristig angelegte Vorbereitung auf die Fusion beider Gesellschaften.

Verschmelzung von Hzl auf die SWEG

IV. Die Verschmelzung von Hzl und SWEG

In der Pressemitteilung vom 13.07.2018, herausgegeben von der SWEG, lautet die Überschrift "Verschmelzung der Hohenzollerischen Landesbahn auf die SWEG". Damit ist unmittelbar erkennbar, dass die große Schwester SWEG in Lahr den Deckel des Schmelztiegels kurz geöffnet hat, um die HzL zu schlucken. Schon im Vorfeld dieser Aktion hatte die SWEG zum Jahresbeginn ihren Namen geändert: Aus der Südwestdeutsch Verkehrs Aktiengesellschaft wurde nun die Südwestdeutsche Landesverkehrs-AG. Die Bezeichnung ist ebenfalls folgerichtig, den durch die Fusion der ungleichen Schwestern steigt der Landesanteil auf 95% (bisher SWEG 100% und HzL 72% - siehe oben), während die beiden Landkreise Zollernalbkreis und Sigmaringen ohne Änderung des Einlagestatus jeweils von 14% auf 2,5% zurückfallen. Die Fusion wurde rückwirkend zum 01.01.2018 rechtsgültig.

Das neue Unternehmen heißt, wie bereits genannt, Südwestdeutsche Landesverkehrs-AG, unter Beibehaltung der Markenbezeichnung SWEG. Auch die Buchstaben HzL können auf den Fahrzeugen usw. stehen bleiben, denn die Züge und Busse fahren weiterhin unter dieser Marke. Die Bindung der Marken HzL und SWEG an ihre Regionen bleibt damit erhalten - eine gute Entscheidung!

Als die zwölf Aufsichtsratsmitglieder der "neuen" SWEG am 16.07.2018 unter bewährter Leitung von Dr. Uwe Lahl, Amtsleiter im Stuttgarter Verkehrsministerium Baden-Württemberg, die Arbeit aufgenommen hatten, lagen größere Zahlen auf dem Tisch. Die neue Landesverkehrs-AG verfügt zum Zeitpunkt der Verschmelzung über 130 Schienenfahrzeuge und 400 Omnibusse. Die 1209 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden ihr Bestes tun, um mindestens so viele Personen wie 2017 (76 Millionen Fahrgäste) möglichst pünktlich und angenehm von A nach B zu befördern. Aktuelle Geschäftsdaten können unter sweg.de eingesehen werden.

Der Aufsichtsrat wird zur Fortsetzung der positiven Geschäftsentwicklung den beiden Vorständen Johannes Müller (kaufmännischer Vorstand und Vorstandsvorsitzender) und Tobias Harms (Technischer Vorstand) auf die Finger und in die Bücher schauen. Dem "alten Hasen" Johannes Müller wird es weiterhin gelingen das Land zu überzeugen, die gut durchdachten und innovativen Projekte kräftig finanziell zu unterstützen. Wenn die Landesverkehrs-AG als stabiler Faktor im öffentlichen Verkehrswesen einen weitsichtigen Aufsichtsrat im Rücken und einen mutigen Verkehrsminister an der Seite hat, kann Fortschritt, von dem sehr viele immer nur sprechen, gelingen. Unternehmensintern ist dazu natürlich auch der positive Umgang mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von großer Bedeutung. Die Begeisterung für Neues muss auch von innen kommen.

V. Neue Tarifverträge zwischen SWEG und Verdi ausgehandelt

Rückwirkend zum 1. Januar 2018 wurden für die Mitarbeiter von der HzL und SWEG (alt) mit der Gewerkschaft Verdi vereinheitlichte Tarifverträge und Arbeitsbedingungen ausgehandelt. Die 840 Beschäfigten von SWEG (alt) bekommen rückwirkend den 100%-Lohn des Lohn- und Entgelttarifvertrags ETV und damit 1,1% mehr als bisher. Die 330 Beschäftigten der Hzl arbeiten seit 1.Juli 2018 vertraglich nur noch, wie die Kollegen der SWEG, 39 statt bisher 40 Stunden pro Woche.

 
Quellen:

  • Hans-Wolfgang Scharf, Die Eisenbahn in Baden Band 1, EK-Verlag Freiburg 1995
  • Peter-MIchael Mihailescu/Matthias Michalke, Vergessene Bahnen in Baden-Württemberg, Konrad Theiss Verlag 1985
  • Hans-Dieter Menges und Claud Jeanmaire, Mittelbadische Eisenbahnen, Verlag Eisenbah Gut Vorhand Villingen-AG/Schweiz 1974
  • Gerd Wolff/Hans-Dieter Menges, Deutsche Klein- und Privatbahnen Band2: Baden, EK-Verlag Freiburg 1992
  • Internet: sweg.de und hzl-online.de (Abrufdatum 14. und 17.07.2018)
  • Presseinformationen der SWEG (13.07.2018)